IHN anbeten

Liebe Besucherinnen und Besucher
unserer Dominikanerkirche St. Andreas,
liebe Schwestern und Brüder,

Zu Beginn eines neuen Jahres lohnt es sich, auf das zu schauen, was bleibt – und auf das, was neu werden darf. „Venimus adorare eum – Immanuel.“ [Wir sind gekommen, um IHN anzubeten (Mt 2,2)]
Die Weisen aus dem Morgenland haben sich damals aufgemacht, um das Kind in der Krippe zu finden. Sie wussten nicht genau, was sie erwartet, aber sie hatten eine Sehnsucht: Sie wollten IHN anbeten. Davon zeugt die Szene im Marienfresko der Petrus-Martyr-Kapelle in St. Andreas.

Anbetung bedeutet nicht, nur still vor Gott zu stehen. Sie führt uns auch in Bewegung – hin zu den Menschen, in den Alltag, in die Verantwortung. Wer erkennt, dass Gott mit uns ist, kann nicht unbeteiligt bleiben. Anbetung wird dann zu einem Lebensstil: Gott Raum geben – in meinem Tun, Reden, Planen, Mitgestalten.

Vielleicht ist das auch eine Einladung für uns als Gemeinde am Jahresbeginn: uns nicht nur von außen mit unserer Kirche zu verbinden, sondern selbst mitzutun, mitzudenken, mitzugestalten – zum Beispiel im Andreasrat oder in anderen Bereichen unseres Gemeindelebens. Gerade dort wird der „Immanuel“ konkret: Gott wirkt in den Menschen, die vor Ort Verantwortung übernehmen und das Leben der Gemeinde lebendig halten.

Wenn wir – wie die Weisen – aufbrechen, dann nicht mit leeren Händen. Wir bringen unsere Begabungen, Ideen und unsere Zeit mit. Und so wird aus dem „Venimus adorare eum“ mehr als eine schöne Erinnerung (an den Weltjugendtag 2005) – es wird eine Haltung, mit der wir Kirche heute leben: Gott mit uns, mitten unter uns.

Ich wünsche Ihnen im Namen der Kölner Dominikaner für das neue Jahr Zuversicht und Gottes reichen Segen.

Ihr Pater Daniel Stadtherr OP
Rector ecclesiae an St. Andreas

Foto: (c) bmb